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Feedback geben und annehmen: Warum „gut gemeint“ nicht „gut angekommen“ heißt

Feedback geben und annehmen – zwei Personen im konstruktiven Gespräch im Remote-Setup

Inhaltsverzeichnis

Feedback geben und annehmen ist kein Skill, sondern ein Loop. 5 Konkrete Prinzipien, Studien & Praxis für Freelancer:innen und Teams – auch remote. Jetzt lesen.

Wie oft hast Du schon ein „Im Großen und Ganzen war das gar nicht so schlecht…“ gehört und wusstest danach trotzdem nicht, was Du jetzt eigentlich besser machen sollst?

Das Arbeitsergebnis war vielleicht nicht so schlimm wie es ausgedrückt wurde.
Das Feedback aber schon.

Die meisten behandeln Feedback als Sender-Problem.
„Wie formuliere ich Kritik, ohne dass es wehtut?“
Verständlich – aber zu kurz gedacht.

Denn Feedback entsteht nicht beim Sprechen. Es entsteht beim Verstehen.
Und das passiert auf der anderen Seite.

👉 Merksatz fürs Mindset: Gut gemeint ≠ gut angekommen.

Damit ist auch klar: Feedback ist keine Einbahnstraße und kein Solo-Skill.
Es ist ein Loop aus Feedback geben und annehmen. Wer nur das Geben übt, baut die halbe Brücke. Und in verteilter, remote-geprägter Zusammenarbeit reißt diese Brücke besonders schnell – dazu später mehr.

Wie wichtig der Loop ist, zeigt ein Blick nach Deutschland. Der HR-Radar 2025 von Personio, der TH Köln und Workfive (über 600 befragte KMU) verdeutlicht: Nur 37 % der KMU führen regelmäßige Mitarbeitendengespräche mit Leistungsbezug, klar definierte Entwicklungsziele gibt es in weniger als 40 % der Unternehmen.

Dass sich das rächt, zeigt die internationale Forschung. Laut Gallup (2023) sind 80 % der Beschäftigten voll engagiert, wenn sie in der vergangenen Woche bedeutsames Feedback erhalten haben – unabhängig davon, ob sie remote, hybrid oder im Büro arbeiten. Und Beschäftigte, die täglich Feedback bekommen, sind eher motiviert, herausragende Arbeit zu leisten, als jene, die nur einmal im Jahr eine Rückmeldung erhalten.

Der Hebel liegt also nicht im großen Jahresgespräch, sondern im kleinen, regelmäßigen Loop.

Feedback geben – 5 Prinzipien, die wirklich etwas verändern

Feedback geben ist erlernbar. Es braucht keine Rhetorik-Ausbildung, sondern ein paar saubere Prinzipien.

Nur Klares ist Bares
Vage Aussagen helfen niemandem.
„Das war irgendwie nicht so rund“ ist kein Feedback, das ist ein Gefühl mit Mikrofon.
Je konkreter Du wirst, desto besser kann Dein Gegenüber reagieren.
Statt „Die Präsentation war zu lang“ lieber: „Auf Slide 4 bis 9 wiederholt sich die Kernaussage – das hat die Spannung rausgenommen.“

Bewerte das Verhalten, nicht die Person
„Du bist chaotisch“ ist ein Urteil über die Person.
„Die Datei lag in drei Versionen ohne Benennung im Ordner“ ist eine Beobachtung.
Sobald Emotionen oder Vorurteile übernehmen, geht die eigentliche Botschaft verloren.

💡 Tipp: Nutze das SBI-Modell des Center for Creative Leadership – Situation, Behavior, Impact.
Erst die Situation benennen („Im Kundencall gestern…“),
dann das konkrete Verhalten („…hast Du dem Kunden direkt widersprochen…“),
dann die Wirkung („…dadurch wirkte die Stimmung danach angespannt“).

Nutze die Sandwich – Methode
Positiv, Kritik, Positiv: Die Sandwich-Methode nimmt Kritik die Härte.
Aber Vorsicht – sie ersetzt nicht den Inhalt. Wenn alle das Muster kennen, hören sie beim ersten Lob schon das „Aber“ anrollen und blenden die Verpackung aus. Wenn wirklich etwas schiefgelaufen ist, hilft kein Herumreden um den heißen Brei. Lob als Schmiermittel ist okay – Lob als Tarnung nicht.

Mach Feedback zum Dialog, nicht zur Durchsage
Stell Rückfragen, gib Raum für Klärung.
Dein Gegenüber ist Gesprächspartner:in, nicht bloß Empfänger:in.
Eine einzige offene Frage – „Wie siehst Du das?“ – verwandelt eine Bewertung in ein Gespräch.

Sprich es zeitnah an, nicht zum Jahresende
Feedback verliert mit jedem Tag an Wirkung. Je näher am Geschehen, desto relevanter und desto leichter nachvollziehbar. Das deckt sich mit der Gallup-Forschung: Häufiges, zeitnahes Feedback schlägt das jährliche Mitarbeitergespräch deutlich – Letzteres empfinden viele sogar als demotivierend. Drei Monate später zur Slide-4-Geschichte zurückzukehren, bringt niemandem etwas.

Feedback annehmen – raus aus dem Kampf-oder-Flucht-Modus

Feedback annehmen muss man genauso üben wie Feedback geben – nur redet kaum jemand darüber.

Rückmeldungen sind nicht immer positiv. Jeder Hinweis auf einen blinden Fleck, den Du selbst nicht gesehen hast, fühlt sich zunächst wie ein Angriff an. Die Gefahr: Du rutschst in den Kampf-oder-Flucht-Modus. Aus der Verletzung heraus reagierst Du defensiv, rechtfertigst Dich – oder machst innerlich dicht. Verständlich. Aber unproduktiv.

Aktiv und offen zuhören
Es reicht nicht, den Worten zuzuhören. Es geht darum, das Gesagte verstehen zu wollen. Stell Deine Emotionen kurz in den Flugmodus. Leg das Handy weg. Notizen nebenbei sind dagegen Gold wert. Zeig Deine Aufmerksamkeit auch körperlich: Blickkontakt, Nicken, dem Gegenüber zugewandt. Und vor allem – nimm das Feedback erst einmal nur auf, ohne sofort Schlüsse zu ziehen.

Bedanken und Missverständnisse ausräumen
Egal ob positiv oder kritisch: Bedank Dich zuerst. Die andere Person hat sich Zeit genommen – das ist nicht selbstverständlich. Dann vergewissere Dich, dass Ihr Euch richtig verstanden habt. Wiederhole das Feedback in eigenen Worten und frag nach konkreten Beispielen. „Verstehe ich richtig, dass Dir vor allem die Reihenfolge unklar war?“ klärt mehr als jede Verteidigungsrede.

Du musst nicht einer Meinung sein
Du kannst das Gesagte nicht nachvollziehen? Völlig okay. Hierarchie, Alter oder Funktion Deines Gegenübers sollten Deine Wahrnehmung nicht einschüchtern. Wichtig ist nur, den eigenen Standpunkt respektvoll zu vertreten, ohne defensiv zu wirken. Durchatmen, beim Thema bleiben, einander nicht angreifen. Und Dich darauf einstellen, dass Ihr Euch am Ende auf Maßnahmen einigen müsst – auch bei bleibender Meinungsverschiedenheit.

Nimm es nicht persönlich
Konstruktives Feedback ist keine Abrechnung mit Deiner Person. Es ist eine Landkarte, die zeigt, wo Wachstum möglich ist. Diese Haltung – lernbereit und vorurteilsfrei zu empfangen – ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Souveränität

Der Remote-Faktor – warum Distanz Feedback härter macht

Im Remote-Setup wird der ganze Loop fragiler (suprise, surprise).

Warum? Weil das Drumherum wegfällt. Im Büro lieferst Du Feedback mit Tonfall, Mimik, einem Lächeln zwischendurch. In der schriftlichen Nachricht oder im 15-Minuten-Call zwischen zwei Terminen fehlt all das. Ein knapp formuliertes „Das müssen wir nochmal überarbeiten“ liest sich im Chat deutlich kälter, als es gemeint war. Geschrieben verschärft jede Spitze. Und vor allem interpretiert der oder die Empfänger:in das hinein, was er oder sie hören will (oder eigentlich nicht)

Für Freelancer:innen ist das doppelt heikel. Sie bekommen Feedback oft von Kund:innen, mit denen noch keine gewachsene Beziehung besteht – und ohne das soziale Netz einer Festanstellung. Eine missverstandene Rückmeldung kann hier nicht nur ein Projekt, sondern eine Geschäftsbeziehung kosten. Gleichzeitig müssen Freelancer:innen selbst Feedback geben, ohne als schwierig zu gelten. Ein schmaler Grat.

💡 Tipp fürs Remote-Feedback: Rahme es bewusst, statt es nebenbei zu droppen. Ein kurzer Call für kritisches Feedback schlägt zehn Chat-Nachrichten. Und ein einleitender Satz – „Ich geb Dir kurz Feedback, weil ich will, dass das Projekt richtig gut wird“ – sortiert die Absicht, bevor das Gegenüber sie falsch einsortiert.

Die gute Nachricht: Die Gallup-Daten zeigen, dass bedeutsames Feedback unabhängig vom Arbeitsort wirkt – remote, hybrid oder im Büro. Distanz ist also kein Hindernis. Sie verlangt nur mehr Bewusstheit.

Von der Einzelaussage zur Feedbackkultur

Einzelnes gutes Feedback ist schön. Aber der eigentliche Gamechanger – gerade für Entscheider:innen – liegt eine Ebene höher: in der Kultur.

Das Fundament dafür hat Harvard-Professorin Amy Edmondson schon 1999 beschrieben: Psychologische Sicherheit – die geteilte Überzeugung in einem Team, dass es sicher ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen. Ihre Forschung zeigt, dass Lernverhalten zwischen psychologischer Sicherheit und Teamleistung vermittelt.
Übersetzt: Wo Menschen ohne Angst Fehler ansprechen und Kritik äußern dürfen, lernen Teams schneller – und liefern besser. Psychologische Sicherheit bedeutet dabei nicht, nett zu sein, sondern ehrliches Feedback zu geben, Fehler offen zuzugeben und voneinander zu lernen.

Für Dich als Entscheider:in heißt das zweierlei:

  1. Feedbackkultur ist kein Jahresgespräch, sondern eine Routine.
    Die Gallup-Zahlen sind eindeutig – tägliches oder wöchentliches Feedback schlägt den jährlichen Review um Längen, sowohl bei Motivation als auch beim Engagement. Das ist auch ein Bindungsthema: In einem Markt, in dem Fachkräfte knapp sind, ist eine funktionierende Feedbackkultur ein Wettbewerbsvorteil in puncto Arbeitgebermarke.

  2. Die Kultur muss auch externe Köpfe einschließen. Wer Freelancer:innen ins Team holt, sie aber vom Feedback-Loop ausschließt, verschenkt Wirkung (und das bestmögliche Outcome). Externe Expertise entfaltet sich erst dann voll, wenn Rückmeldung in beide Richtungen fließt – nicht als einseitige Auftragskontrolle, sondern auf Augenhöhe.

Fazit: Den Loop schließen

Wer beim Feedback nur ans Senden denkt, bleibt bei der Technik.
Wer Wirkung und eigene Reaktion mitdenkt, versteht Feedback als das, was es ist: ein Kreislauf aus Geben und Annehmen.

Die wichtigsten Punkte zum Mitnehmen:

✓ Geben: konkret, beschreibend statt wertend, zeitnah, im Dialog. Sandwich ja – aber nie als Tarnung für den Inhalt.

✓ Annehmen: zuhören, danken, paraphrasieren, nach Beispielen fragen – und nicht jede Rückmeldung persönlich nehmen.

✓ Remote: Distanz verlangt mehr Bewusstheit. Kritisches lieber im Call, Absicht aktiv rahmen.

✓ Kultur: psychologische Sicherheit als Fundament, Routinen statt Jahresgespräch – und externe Köpfe bewusst einbeziehen.


Am Ende bleibt ein Gedanke, frei nach Paul Watzlawick:
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Feedback passiert sowieso – ob Du willst oder nicht, ob laut oder im Schweigen.
Die einzige Frage ist, ob Du es bewusst gestaltest.
Und wenn wir schon kommunizieren, dann bitte richtig.

Passend dazu aus unserem Magazin:
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Bastian Deurer – Gründer von DYGITIZED.IO und Experte für digitale Transformation.

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