In Deutschland beginnt Weihnachten offiziell mit dem Anzünden der ersten Adventskerze. Laut einer YouGov-Studie (2023) feiert über die Hälfte der Deutschen Weihnachten im klassischen Stil – mit Familie, gutem Essen und Geschenken.
Ebenso zeigt eine andere Erhebung (2025), dass rund 53% der Bevölkerung in Deutschland über die Feiertage zu Hause bleiben, anstatt zu verreisen.
Ob Weihnachtsmarkt, Gänsebraten oder „Dinner for One“ an Silvester – wir alle lieben Rituale. Sie geben Struktur, Sicherheit und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Und genau das passiert überall auf der Welt – nur eben auf ganz unterschiedliche Weise.
Denn während wir in Deutschland unsere Lichterketten entwirren, gehen Menschen in anderen Ländern ziemlich ungewöhnliche Wege, um Weihnachten zu feiern.
Tradition trifft Marketing: Wenn Kampagnen Geschichte schreiben
Manchmal braucht es keine Jahrhunderte, um eine Tradition zu schaffen. Manchmal reicht eine brillante Marketingidee.
Ein Paradebeispiel dafür liefert Japan: In den 1970er-Jahren startete KFC die Kampagne „Kentucky for Christmas“. Der Gedanke: Wenn Japan keine eigene Weihnachtstradition hat – warum dann nicht einfach eine erfinden?
Was als PR-Aktion begann, wurde zu einem landesweiten Ritual. Heute bestellen Millionen Japaner:innen Wochen im Voraus ihren „Weihnachts-Bucket“. KFC ist dort so fest mit Weihnachten verbunden wie bei uns der Christbaum.

Die skurrilsten Weihnachts-bräuche weltweit
🇻🇪 Venezuela – Rollschuhlaufen zur Messe:
In Caracas fahren Kinder und Erwachsene am Morgen des 24. Dezember mit Rollschuhen zur Kirche. Der Brauch existiert seit den 1940er Jahren und hat einen eigenen Namen – “Patinatas”. Die Straßen sind für den Verkehr gesperrt. Der Ursprung des Brauchs ist zwar unbekannt, aber er bringt Bewegung in den Feiertag – im wahrsten Sinne des Wortes.

🇵🇭 Philippinen – Die längste Weihnachtszeit der Welt
Weihnachten im September? Auf den Philippinen beginnt die „Ber-Month Season“ (September–Dezember) mit Lichterketten, Deko und Musik. Höhepunkt sind die Riesenlaternen-Festivals zwischen dem 17. Dezember und dem 7. Januar.

Norwegen – Versteckt eure Besen!
In Norwegen glaubt man, dass sich in der Weihnachtsnacht Hexen und Geister herumtreiben. Um zu verhindern, dass sie auf den Besen davonfliegen, werden diese gut versteckt. Praktischer Nebeneffekt: Der Frühjahrsputz verschiebt sich automatisch.
Island – 13 Weihnachtskobolde statt einem Santa
In Island bringen 13 sogenannte „Yule Lads“ Geschenke – jeder mit eigener Persönlichkeit: Vom Türenschläger bis zum Löffelstibitzer. Jeden Tag kommt ein anderer vorbei. Ein Mini-Adventskalender mit Charakter(en).
Deutschland – Exportweltmeister für Weihnachtstraditionen
Bei uns haben gleich drei Weihnachtstraditionen ihren Ursprung. Und damit Du bei der nächsten Weihnachtsfeier mit ein paar unnützen Fakten angeben kannst, haben wir sie für Dich gesammelt
- Der Weihnachtsmarkt hat seine Wurzeln im deutschsprachigen Mittelalter.
Die ältesten dokumentierten Märkte:
– Dresden: Striezelmarkt, erstmals 1434 erwähnt
– München: Nikolausmarkt, erstmals 1310 belegt
– Wien: Dezembermarkt, 1298 urkundlich erwähnt - Der Adventskranz kommt aus Hamburg. Erfunden wurde er 1839 von Johann Hinrich Wichern, einem evangelischen Pastor, der für Kinder einen Holzkranz mit Kerzen baute, um ihnen das Warten auf Weihnachten sichtbar zu machen.
- Und der erste gedruckte Adventskalender kam 1902/1903 in München auf den Markt (von Gerhard Lang).
Warum wir schräge Bräuche lieben
Psychologisch betrachtet sind Rituale ein sozialer Klebstoff. Sie schaffen Zugehörigkeit, Wiedererkennbarkeit und Sicherheit – egal, ob wir Gänse essen oder Rollschuh fahren.
Eine Harvard-Studie (2016) zeigt: Familienrituale verstärken die Feiertagsfreude deutlich – sie erhöhen die Verbundenheit, intensivieren das gemeinsame Erleben und sorgen insgesamt für positivere Feiertage.
Der Clou: Es geht weniger um den Inhalt, sondern um das gemeinsame Erleben.
Ein Rollschuh-Ritual in Venezuela funktioniert deshalb genauso wie das Plätzchenbacken mit Oma in München. Beide schaffen Verbindung – durch Wiederholung, durch Bedeutung, durch ein Gefühl von „Das machen wir gemeinsam so“.
Weihnachten als Markenlabor
Weihnachten ist für Marken der emotionale Höhepunkt des Jahres. Nicht der Preis zählt, sondern das, was hängen bleibt: Emotion, Erinnerung, Identität.
Diese Klassiker kennt ihr garantiert – Pro Tipp: Ein Taschentuch in der Nähe schadet nicht.
1) Coca-Cola hat den Weihnachtsmann neu erfunden
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2) John Lewis (UK) berührt mit seinen Weihnachtswerbungen seit Jahren Millionen
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3) Und zum Schluss der legendäre EDEKA-Weihnachtsclip mit über 70 Mio. Aufrufen
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Kluge Marken verstehen: Weihnachten ist kein Werbetermin, sondern ein kulturelles Ritual. Und wer es schafft, dort Teil einer kollektiven Erinnerung zu werden, gewinnt langfristig Vertrauen – Aufmerksamkeit und Klicks inklusive.
Fazit: Weihnachten als Spiegel kultureller Kreativität
Ob Hähnchen-Bucket in Tokio oder Besenversteck in Oslo – Weihnachten zeigt, wie flexibel Kultur sein kann.
Traditionen entstehen dort, wo Menschen sich begegnen, etwas teilen – oder wo jemand eine gute Geschichte erzählt.
Und manchmal reicht dafür ein Marketing-Claim, der zur Gewohnheit wird.








